Ein Geheimnisträger plaudert…

Nach Jahren des Schweigens melde jetzt ich mich mal zu Wort. Nun bin ich ein Geheimnisträger. Naja - einer von Dreien. Und seit einigen Jahren stehe ich hier im Konferenzraum und wache über das gesprochene Wort. Nun darf niemand ernstlich erwarten, ich würde den Inhalt irgendeiner Besprechung wiedergeben. Ich würden zu einem Klumpen Polyethylen schmelzen, wenn ich das täte. Aber von einigen Abenden werde ich wohl berichten dürfen.

Nun haben meine Anwälte ja das VDP-Jahr ausgerufen. Hierüber mußten sie unbedingt in diesem Beitrag berichten. Ich möchte das Jahr nun begleiten und erzählen, welche Flasche so im Einzelnen über den Besprechungstisch wandert.

Eröffnet haben meine Anwälte die VDP-Reihe mit einem Rotwein. Verwunderlich… hatte ich einen solchen in den Jahren nie zu Gesicht bekommen. Ich dachte, alle hier seien Weißwein-Liebhaber. Aber gut. Es sollte nun mal ein Roter sein. Aber gleich ein Dornfelder?

Fast entschuldigend klang da die Ouvertüre:

“Beginnen wir das VDP-Jahr mit einem stinknormalen Dornfelder. Am Ende des Jahres können wir es dann richtig krachen lassen!”

Rückblickend wollte eine echte Begeisterung nicht aufkommen. Der VDP´ler schien zwar besser zu sein als die gewöhnlichen Dornfelder. Doch endete der Abend eindeutig:

“Kein Must-have…”

SCHINDLER BOLTZE rufen VDP-Jahr aus

Es ist uns schon eine gute Tradition geworden, jedes Jahr eine neue Rebe kennenzulernen. Nach dem Grauburgunder 2006  hatten wir das Jahr 2007 mit dem Chardonnay verbracht. Während des vergangenen Jahres 2008 konnten wir uns an den Nuancen der Riesling-Traube erfreuen und entdeckten, welchen Unterschied es macht, ob die Traube auf Schiefer- oder Sandsteinboden angebaut wird (unser “Haus”-Weingut Meßmer).

Nun stellte sich bereits im Juli 2008 die Frage, ob wir in dem nun angebrochene Jahr 2009 zum Rotwein übergehen. Doch wollen wir einen neuen Weg gehen. Wir haben uns auf unserem Neujahrstreffen entschieden, nun nicht mehr nur eine Traube zu verköstigen. Vielmehr werden wir eine Vielzahl von Weingütern hinter uns lassen und dieses Jahr ausschließlich mit Prädikatsweingütern des VDP und deren Aspiranten verbringen.

In diesem Sinne sitze ich gerade zu Hause in meinem Arbeitszimmer und genieße einen 2007er Zell-Weierbacher Neugesetz Riesling des Gutes Freiherr von und zu Franckenstein. Denn mein Meßmer ist schon ausgetrunken. Und das Leben ist zu kurz für schlechte Weine…

Es lebe die Wirtschaftskrise…

… der Liter Diesel zu 97 Cent! Da fahre ich doch gleich mal um die Blöcke, um mich aufzuwärmen.

Aber mal ganz im Ernst: als der Euro eingeführt wurde,  kostete der Liter Diesel 65 Cent. Dann kam die Ökosteuer und als wesentlicher Annex die Kritik der Politik über die hohen Spritpreise. Das verstehe wer will… aber 97 Cent? Das verstehe auch ich ;-)

Mein Konjunkturprogramm: aus einer Tasche in die andere…

… wie einfach wäre es doch, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen, wenn die öffentliche Hand ihre Rechnungen mit Skonto bezahlen würde. Nicht nur, dass dies den Haushalt nicht belasten würde (die Forderungen der Unternehmen bestehen ja). Nein die Kämmerer könnten sogar eine Ersparnis ihrer Ausgaben von jeweils 3 % als eigenen Erfolg verkaufen. Und die armen Unternehmen? Sie wären von einer Zwischenfinanzierung unabhängig.

Doch wahrscheinlich ist das zu schlicht gedacht.

Endlich wieder Kaffee!

Nachdem unsere Jura-Espressomaschine ihren Geist aufgegeben hatte und wir eine schiere Ewigkeit nach einem möglichen Ersatz suchten, ist unsere gute Freundin nach der Reparatur endlich zurückgekehrt. Der Espresso war noch nie so gut…

Mein Abschluß als Bachelor.

“Die letzte Bastion”. Unter diesem Titel berichtete Spiegel-Online am 11. August 2008 über die drohende Kapitulation einer der letzten Bastionen der Freiheit! … Häh? Bastion der Freiheit? … Aber ja. Es geht um Europa. Um Juristen und darum, dass irgendwer irgendwo seinen Abschluß als Bachelor macht. … Hmmm: Bachelor, Freiheit, last man standing …

Ich erinnere mich sehr gut an meinen Abschluß als Bachelor. Das war 2007: durchzechte Nächte, Bier und Wein, endlose Partys im Unterhaus … Wie, ein anderer Bachelor? Bin ich im falschen Flieger? Was sagt denn Leo dazu: … ein Bachelor ist ein “Junggeselle“! Und als ebensolche werden seit dem 16. Jahrhundert junge Unverheiratete bzw. jeder Ledige bezeichnet (Brockhaus, 11. Band, 19., völlig neu bearbeitete Auflage , Mannheim 1990 und seither sicherlich nicht geändert…).

Also doch: Mein Abschluß als Bachelor. Eine Urkunde habe ich nie erhalten. Nur Aspirin.

Twenty-four-Legal

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 05.45 Uhr und 06.58 Uhr statt:

“Biddelbipp, biddelbipp…” ein Wecker klingelt penetrant!

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 06.58 Uhr und 07.35 Uhr statt:

Legal-Counsel Dr. S. versucht mühsam, die Augen zu öffnen, um eine Frist, die um 24.00 Uhr ablaufen wird, rechtzeitig bei Gericht einzureichen. Als Organ der Rechtspflege ist er sich der großen Bedeutung seines Auftrages bewußt. In der Zwischenzeit erreicht K. die Küche und setzt Kaffee auf.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 07.35 Uhr und 08.20 Uhr statt:

Nach einem ersten Kaffee bemüht sich Dr. S., physisch und optisch Einsatzbereitschaft zu erreichen. Die Vielfalt uniformer Bekleidung reduzierte sich nach langjährige Einsätzen auf ein halbes Dutzend Kombinationen, die (alle gestreift) für sich schon maskuline Kreativität darstellen. Er verläßt nach einer Lagebesprechung mit K. im Schutze geparkter Kraftwagen die Basis zum Transportmedium.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 08.20 Uhr und 08.35 Uhr statt:

Legal-Counsel Dr. S erreicht die Kanzlei und zielt auf die Kaffee-Maschine zu. Bewaffnet mit einem Espresso nistet er sich im Zielgebiet ein und verschanzt sich in einem Bücher-Graben.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 08.35 Uhr und 12.15 Uhr statt:

Dr. S. führt 45 Telefonate, erhält 12 Akten in Wiedervorlage, 35 Akten mit Posteingang und 258 E-Mails, wovon in 257 Fällen versucht wird, Dr. S. mit Versprechungen sexuell-unterstützender Art auf das intelektuelle Niveau eine Primaners zurückzuwerfen. Wo bleibt der neue Spam-Filter? Wir stehen unter Beschuß…

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 12.15 Uhr und 13.45 Uhr statt:

Das A-Team, bestehend aus den Anwälten S,B,S und der technischen Unterstützung R ziehen sich in eine Studi-Kneipe zurück. 2 dunkle Hefe, ein kleines Cola ;-) und…. ein Radler.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 13.45 Uhr und 13.46 Uhr statt:

Dr. S. erinnert sich an die Frist.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 13.46 Uhr und 14.00 Uhr statt:

Das A-Team wird mit Espresso versorgt.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 14.00 Uhr und 17.30 Uhr statt:

Dr. S. führt 28 Telefonate, versucht, 2 der 12 Akten in Wiedervorlage zu bearbeiten und legt die 35 Akten mit Posteingang auf Wiedervorlage.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 17.30 Uhr und 17.31 Uhr statt:

Dr. S. erinnert sich wieder an die Frist.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 17.31 Uhr und 18.40 Uhr statt:

Dank eines Hinweises des Teams im Back-Office eilt Dr. S. zu einem Termin beim Geschäftsführer seiner Lieblingsmandantin. Das neue Einsatzmedium (ABT) erleichtert den Zielanflug. Irgendwo in den 12 Wiedervorlagen lag die Akte.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 18.40 Uhr und 20.00 Uhr statt:

Lagebesprechung im A-Team. Wettbewerber orientiert sich neu und verringert seine Mannschaft. Strategische Ausrichtung wird diskutiert. Dr. S., langjähriger Kampfsportler, erinnert an Miyamoto Musashi („Gorin no Sho“). Neue aktive Maßnahmen werden entschieden.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 20.00 Uhr und 20.01 Uhr statt:

Dr. S. erinnert sich wieder an die Frist.

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 20.01 Uhr und 21.00 Uhr statt:

Nicht rekapitulierbare Dinge geschehen. Irgendwie ist die Stunde vergangen… Ein Riß im Raum-Zeit-Kontinuum?

pdümmpdümm, pdümmpdümm, pdümmpdümm: Die folgenden Ereignisse finden zwischen 21.00 Uhr und 21.10 Uhr statt:

Aufgrund Arbeitsüberlastung beantragt Dr. S. Fristverlängerung.

Haben wir keinen Wein mehr?

Einige unserer Referendare zeigten sich beeindruckt vom Weinkeller unserer Kanzlei. Nun sitzen wir nicht in einem schönen Jugenstil-Bau mit altem Kellergewölbe sondern wie unsere Mandanten auch in einem Industriebau. Doch sollte uns dies nicht hindern, für den (anwalts)alltäglichen Genuß auch ein paar schöne Tröpfchen vorzuhalten.

Nachdem wir nach einer kurzen Phase der Orientierung 2006 die pfälzischen und badischen Grauburgunder kennenlernten (und mittlerweile am Duft erkennen…), rief Kollege Boltze 2007 das Chardonnay-Jahr aus [mehr]. Auch hier blieben wir dem Süden treu.

Doch was ist 2008? Trinken wir nur noch Bier?

Still und heimlich haben wir 2008 einen alten Freund wiedergetroffen: den Riesling! Und in den vergangenen 7 Monaten haben wir große und kleine, beeindruckende und Weine, die wir wieder vergessen haben, getrunken. Und nun ist der Oberkircher Riesling Kabinett trocken mein treuer Begleiter dieses Sommers geworden.

Ich bin gespannt, ob wir 2009 zum Rotwein übergehen….

Bin ich BGH-Anwalt?

Es ist schon interessant, was man so alles von den Kollegen liest. Dass es nicht nur den Rechtsanwalt sondern auch den Fachanwalt gibt, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Manchem Mandanten soll sogar die Unterscheidung der Zulassung beim Landgericht und nach „langjähriger, erfolgreicher und hochqualifizierter“ Tätigkeit beim Oberlandesgericht bekannt sein. Doch ist diese Juni 2007 aufgegeben worden.

Jeder Rechtsanwalt darf also vor den Land- und Oberlandesgerichten auftreten. Nun möchte ich nicht darauf herumreiten, dass es Kollegen gibt, die Ihren Briefkopf schmücken

Zugelassen bei allen Land- und Oberlandesgerichten.

Denn schon ein Blick in die Zulassungsurkunde zeigt, dass man doch nur bei einem „Heimat-Landgericht“ zugelassen ist. Man ist aber bei allen Land- und Oberlandesgerichten vertretungsberechtigt. Nur eine kleine sprachliche Unterscheidung… und sind wir Anwälte nicht immer so stolz darauf, jede noch so feine linguistische Haarspalterei zu erkennen?. Oder ist mit einer Zulassung an allen Land- und Oberlandesgerichten auch jeweils eine Gebühr bei den dortigen Rechtsanwaltskammer fällig? Teurer Spaß…

Doch jetzt hatte ich doch glatt das Schreiben eines „Kollegen vom BGH“ auf dem Schreibtisch. Nun mag es dem geneigten Leser nicht immer bekannt sein. Aber nur wenige Rechtsanwälte in Deutschland haben die Zulassung, vor dem Bundesgerichtshof aufzutreten (im Mai 2008 sind dies 41 Rechtsanwälte). Sie nennen sich daher auch

Rechtsanwalt beim Bundesgerichtshof

Dies betrifft aber nur (Revisions-)Verfahren im Zivilrecht. In Strafsachen ist jeder Anwalt befugt, ein Verfahren zu führen.

Nun war der Verfasser, dessen Ergebnis nun meinen Schreibtisch ziert, doch sehr genau in der Lektüre des Gesetzestextes. Denn er hat tatsächlich die

Zulassung beim BGH in Strafsachen.

Ist mir noch gar nicht eingefallen. Daher habe ich meine Signatur gleich korrigiert:

Dr. Schindler
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Zugelassen beim Landgericht Karlsruhe und dem Bundesgerichtshof in Strafsachen, dem Bundesverwaltungs-, Bundesarbeits- und Bundessozialgericht sowie dem Bundesverfassungsgericht und weiterhin vor den Schiedsgerichten des Deutschen Instituts für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS), den Staatlich anerkannten Gütestellen, den Schlichtungsstellen der Industrie- und Handelskammern (IHK) und allen deutschen Amts-, Land- und Oberlandesgerichten

P.S.: Ich suche nach einer geeigneten Visitenkarte.
Hinweise erbeten.

Haben wir keinen Alltag mehr?

Ganz im Gegenteil. Doch lässt die lange Zeit, die seit dem letzten Bericht vergangen ist, vermuten, dass uns der anwaltliche Alltag zu sehr im Griff hatte.

Nun sitze ich wieder einmal in Kraków und wundere mich über den unglaublichen Kostenanstieg. Dabei fängt die Preisexplosion schon in Deutschland an. So kostet bereits beim Abflug am Stuttgarter Flughafen ein

Espresso 3,10 EUR.

Nur am Rande sei angemerkt, dass am Flughafen im “teuren” Hamburg hierfür nur 2,30 EUR fällig sind…

Aber auch der spätere Aufenthalt in Kraków ist nicht wirklich günstiger. Zwar beträgt der Preis eines Cappuccino in meinem Stammcafé Stara Prowincja in der ul. Bracka noch immer 6,00 PLN. Doch erhalte ich für meinen teuren Euro nicht mehr 4,80 (zum EU-Beitritt 2004) sonder nur noch 3,30 Złoty. Ob da der Kostenvorteil bei einer Unternehmensverlagerung noch berücksichtigt werden kann? ;-)

Beste Grüsse aus Kraków.